Jubiläumskonzert

Sonntag, 12.05.2019, 15:00 Uhr, Kulturhaus Ruhla. Ein bunter Strauß wunderschöner Melodien und Programmpunkte wurden in den Orchesterproben eigens für dieses besondere Ereignis einstudiert. Eintritt: 8 Euro

Musizieren im Wandel der Zeiten

Als Franz Dörfler vor 70 Jahren gemeinsam mit 11 weiteren Musikern ein Orchester gründete, ahnte er nicht, dass er heute mit fast 90 Jahren noch als aktiver Flötist die Konzerte mitgestalten würde. Er ist der letzte der „Ur-Besetzung“, die 1949 den Grundstein für das heutige Blasorchester Ruhla legte.

Doch wie kam es damals zu dieser Orchestergründung?

Nach 1945 bestand im Nachkriegsdeutschland, so auch im Erbstromtal, ein großes Bedürfnis nach Vergnügen und Geselligkeit. In Ruhla und Thal hatten sich damals einige kleine, meist aus drei bis vier Mann bestehende Tanzkapellen formiert, die u. a. in den Lokalitäten „Waldhaus Hutzelhöh“, „Zur Krone“ und auch im „Kurhaus Thalfried“ regelmäßig bei gutbesuchten Tanzabenden aufspielten. Die schon mehrere Jahrzehnte existierende Stadtkapelle Ruhla trat nach dem Krieg nur noch wenig in Erscheinung.

Es zeichnete sich generell ein neuer Trend in Richtung moderne Tanzmusik ab, deshalb hatten einige in der Uhren- und Maschinenfabrik (UMF) Ruhla tätigen Hobby-Musiker die Idee, unter den Betriebsangehörigen nach weiteren Musikern zu suchen, um eventuell eine Tanzkapelle auf die Beine zu stellen. Tatsächlich wurden neun Werktätige mit musikalischen Fähigkeiten gefunden. Dazu gehörten zwei Trompeter, ein Posaunist, vier Saxophonisten (davon konnten zwei auch Klarinette spielen) sowie ein Pianist und ein Schlagzeuger. Damit war es möglich, eine dem neuen Sound entsprechende Tanzkapelle in Form einer verkleinerten Big-Band zu bilden.

Die damalige Werkleitung vom UMF wurde davon in Kenntnis gesetzt und begrüßte es mit der Zusage, die Sache zu unterstützen. Dies geschah kurzfristig mit der Beschaffung von fehlenden Instrumenten. Daraufhin fand im Mai 1949 die erste gemeinsame Probe im Sportheim des Betriebes statt. Noten hatte einer der Saxophonisten privat besorgt. Schon das erste gemeinsame Zusammenspiel hat allen Beteiligten viel Spaß und Freude bereitet: So wurden regelmäßige Proben einmal pro Woche nach Feierabend vereinbart. Schon nach kurzer Zeit spielte die Formation flotte Weisen zur Mittagspause im Speisesaal und veranstaltete Tanzabende im Sportheim, was die jungen Leute aus Ruhla und Umgebung begeistert annahmen. 

Die Werkleitung verfolgte diese Entwicklung aufmerksam und schlug vor, weitere Musiker für die Bildung einer Blaskapelle anzusprechen. Dabei wurde auch zunehmende betriebliche Unterstützung in Aussicht gestellt. Trotz intensiver Befragungen haben sich nur drei neue Musiker gefunden, die bereit waren, in einer Blaskapelle mitzuwirken. Es handelte sich dabei um einen Trompeter, einen Posaunisten und einen Tubisten.

Die nun aus 12 Musikern bestehende Werkkapelle übte nun im Wechsel Blas- und Tanzmusik aus. Das forderte von einigen Kollegen mehr Flexibilität. Zwei der Saxophonisten erlernten kurzfristig Tenorhorn zu blasen und die beiden anderen konnten nun ihre Fertigkeiten auf ihren Klarinetten unter Beweis stellen. Es dauerte nicht lange, und die Blasmusik wurde den Uhrmachern und Maschinenbauern während den Mittagspausen präsentiert. Doch es wurde auch Marschmusik wie beispielsweise für die 1. Mai-Kundgebung benötigt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit trafen sich die Musikanten auf einem Waldweg beim damals noch existierendem alten Hubertushaus und unternahmen die ersten Marschier-Versuche bis zur Perfektion. Aus dem ursprünglichen Vorhaben, eine Bigband zu gründen und der betrieblichen Notwendigkeit ein Blasorchester zu haben, wurde eine „Sowohl-als-auch-Lösung“ gefunden, die sich lange Zeit zu vielen Gelegenheiten bewährt hatte.

Die Musiker, die 1949 unter dem Namen „Werkkapelle der Uhren- und Maschinenfabrik“ musizierten, waren Walter Wagner, Willi Liebig, Alfred Liebetrau, Heini Weyh, Hartwig Beese, Karl Avemann, Fritz Rottstedt, Lothar Anton, Herbert Ortmann, Harry Liebetrau, Walter Ortmann sowie Franz Dörfler und gelten als die 12 Gründungsmitglieder des Blasorchesters Ruhla. In den Folgejahren bekam die Kapelle immer wieder Zuwachs, unter anderen aus der sich in Auflösung befindenden Ruhlaer Stadtkapelle, wobei auch Notenmaterial übernommen wurde. 

Das nun 20 Mann zählende Orchester war zur kulturellen Betreuung der Bevölkerung im Erbstromtal unermüdlich im Einsatz, wie bei gemeinsam gestalteten Konzerten mit dem damaligen Ruhlaer Männerchor. Außerdem wurden bereits Konzertfahrten unternommen. Die Teilnahmen in Berlin am „Deutschlandtreffen der FDJ 1950“ und an den „Weltfestspielen der Jugend und Studenten 1951“ seien hier zu nennen. Bereits zu dieser Zeit gab es schon Überlegungen, jungen Menschen das Erlernen eines Instrumentes zu ermöglichen. Kurzsichtige Denkweise und die Auffassung der meisten Musiker, dass man sich „sein eigenes Konkurrenzorchester“ heranziehen würde, ließen diese Ideen scheitern.

Durch glückliche Umstände entstanden in den 1960er Jahren freundschaftliche Bindungen zu Berufsmusikern von Theatern umliegender Kreisstädte. So spielte am Silvesterabend 1963 zum ersten Mal der Solotrompeter Siegfried Umbreit in Ruhla. Seitdem war und ist er für das Blasorchester eine der herausragendsten Persönlichkeiten, der mit seinem Geschick und seinem musikalischen Sachverstand den Verein viele Jahre leitete und bis heute eine Vorbildfunktion ausübt. Zurecht genießt der mit 83 Jahren aktive Musiker den Rang des Ehrenvorsitzenden. Doch auch in den anderen Registern waren Berufsmusiker über all die Jahre eine Bereicherung.

Zum 20-jährigen Bestehen der „Werkkapelle UMF“ konnte eine erfolgreiche Bilanz zur kulturellen Betätigung gezogen werden, doch stellten die Musiker der „Ersten Stunde“ fest, dass sie alle selbst 20 Jahre älter geworden waren. Mehr als die Hälfte der Mitglieder waren über 50 Jahre und es war fast zu spät, geeignete Maßnahmen für den Fortbestand der Musikformation einzuleiten. Endlich begriffen alle, dass es höchste Zeit war, Nachwuchs an den einzelnen Instrumenten auszubilden. Mit organisatorischer und finanzieller Unterstützung durch die Leitung des UMF-Klubhauses, wobei Erhard Büchel großen Anteil hatte, wurden in Zusammenarbeit mit den Schulen des Territoriums musikalisch begabte Kinder im Alter von 10 Jahren ausgewählt. Noch im gleichen Jahr konnte nach den Sommerferien mit dem Instrumentenunterricht bei ca. 20 Schülern begonnen werden. Diese Aktion wurde jährlich bis 1989 wiederholt, wobei stets eine zweistellige Zahl an interessierten Kindern zusammenkam.

Die musikalische Ausbildung übernahmen für Trompeten und Flügelhörner – Siegfried Umbreit, für Klarinetten – Helmut Peter, später Matthias Mehlhorn, für Flöten – Franz Dörfler, für Tenorhörner und Bariton – Kurt Schenk, später Andreas Umbreit, für Posaunen – Albrecht Messerschmidt, später Andreas Umbreit, für Waldhörner – Hartwig Beese, später Frieder Fischmann, für Tuben – Arno Seitz sowie für Schlagzeug – Hartwig Beese, später Arno Seitz. Organisierte Probelager wie u.a. in Probstei Zella waren effektiv, förderten den Enthusiasmus der Jungen und Mädchen und machten Spaß. Schon nach kurzer Zeit war ein stabiles Niveau erreicht, welches die ersten Auftritte erlaubte. 

Mit dem Beginn der musikalischen Ausbildung von Kindern 1969 und der Bildung eines Jugendblasorchesters begann für die Ruhlaer Musiker eine neue Epoche. Der Name „Werkkapelle UMF“ wurde in „Blasorchester des VEB Uhren- und Maschinen-Kombinat (UMK)“ umgewandelt und die Mitgliederzahl wuchs und blieb trotz Zu- und Abgängen konstant bei ca. 60 Personen. Für die künstlerische Orchesterarbeit wurden zwei hochrangige Dirigenten engagiert. Das waren die Musikdirektoren MD Willy Spillner, Major der Volkspolizei und Leiter des Orchesters des MdI Standort Erfurt und später MD Kurt Kuhn vom „Staatlichen Sinfonieorchester Gotha“. Sie formten mit intensiver Probenarbeit das Blasorchester zu einem Klangkörper mit dem Prädikat „Oberstufe – sehr gut“. 

Schon bei der ersten Teilnahme an Arbeiterfestspielen und dem damit verbundenen nationalen Bläserwettstreit im Bezirk Schwerin zeichnete sich im Jahr 1972 ab, dass das „Blasorchester des VEB UMK“ zu den qualitativ besten Amateurorchestern der damaligen DDR gehörte. Die erste Goldmedaille wurde dort erzielt. Weitere sechs gab es in Dresden 1976, in Suhl 1978, in Rostock 1980, in Gera 1984, in Magdeburg 1986 sowie in Frankfurt/Oder 1988. Mehrere Auszeichnungen „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“ folgten unter anderem.

Zeitgenössische Komponisten wie Siegmund Goldhammer, Klaus-Peter Bruchmann oder Wolfgang Hocke wurden auf die Ruhlaer aufmerksam und schrieben speziell für dieses Orchester anspruchsvolle Konzertstücke mit wohlklingenden Titeln wie „Rhythmus einer Stadt“, um nur eins zu nennen. Diese musikalischen Glanzstücke kamen bei zahlreichen Konzerten zur Aufführung, so auch bei mehreren Konzertreisen ins sozialistische Ausland wie in die UdSSR, nach Polen, Ungarn, Bulgarien und in die CSSR, die ohne die Unterstützung der Kulturleitung des Kombinates nicht zustande gekommen wären. Doch auch als Gastgeber von mehreren Blasmusikfesten war der volkseigene Betrieb vorbildlich. 

Neben dem eigenen Ensemble spielten damals verschiedene namhafte DDR-Blasorchester im Klubhaus Seebach auf. Der absolute Höhepunkt der Vereinsgeschichte war definitiv der 3. Platz bei der Teilnahme am „Internationalen Leistungsvergleich großer Blasorchester“ im tschechischen Ostrava im August 1981. 

Ein Augenzeuge von damals berichtete seine Erlebnisse in dem DDR-Journal „Musikforum“ wie folgt:

„Eine Überraschung aus der DDR: Unter den Teilnehmern waren zudem Orchester aus der UdSSR, aus Ungarn, Jugoslawien, Polen, der BRD, Holland, Japan und aus dem Gastgeberland CSSR. Zu den Favoriten zählten die tschechischen Musiker, das vom guten Ruf begleitete holländische Orchester und das attraktive, für manche sogar exotisch wirkende Mädchenorchester aus Japan. Aber so wie beim Sport, wenn eine Mannschaft, mit der man oft aus Unkenntnis nicht mehr rechnet, plötzlich Punkte gewinnt, geschah dies beim letzten Konzert, kurz vor Ende des Wettbewerbes, als das Blasorchester der VEB Uhrenwerke Ruhla (UWR), Leitbetrieb im Kombinat Mikroelektronik, das Podium beherrschte. Gleich nach den ersten Takten des einleitenden Stückes „Marsch der Uhrenwerker“ horchte das Publikum auf und im Saal entstand eine besondere Atmosphäre. Nach Beendigung der Komposition applaudierten die Zuschauer wie bei niemandem zuvor. Dann folgte die Pflichtkomposition wie für alle Teilnehmer, das anspruchsvolle Konzertstück „No Pasaran“, bei der das Orchester niemanden im Zweifel ließ, dass die Interpretation des Eröffnungsmarsches kein Zufall war. Die von allen Wettbewerbsteilnehmern mit 67 zahlenmäßig kleinste Formation klang unglaublich weich, ausgeglichen in allen Instrumentengruppen und auch als kompakter Klangkörper. Die schwierigen Passagen wurden technisch und ausdrucksmäßig einwandfrei absolviert, dazu rein in der Stimmung und perfekt im Rhythmus. Die innere Spannung des Orchesters ging auf das Publikum über und nach Beendigung der Darbietung sprang gleichsam ein elektrischer Funke in den Saal und das Publikum bereitete dem Orchester eine Ovation. Der anwesende Autor der Pflichtkomposition, Miroslav Juchelka, ging mit einem Blumenstrauß zum Dirigenten Kurt Kuhn, um ihm persönlich zu danken – was bisher bei Wettbewerben nicht üblich war. In diesem Augenblick war klar, dass die Musiker aus der DDR alle bisherigen Prognosen zerstört hatten und in die Reihen der besten Orchester aufgerückt waren. Das Ergebnis – eine Bronze-Medaille – eröffnet dem „Blasorchester des VEB UWR“ zweifelslos weitere Bewährungsmöglichkeiten auf internationalem Gebiet…“ 

Erwartungsgemäß folgte wenig später eine Einladung zu einem Bläserfestival nach Japan. Eine Konzertreise eines Amateurorchesters ins nichtsozialistische Ausland war damals wegen möglicher Republikflucht völlig ausgeschlossen. Die Einladung wurde an das Rundfunk-Blasorchester Leipzig weitergereicht…

Die Ruhlaer Blasmusikanten hörte man nicht nur live, sondern auch im Radio und auf den zwei produzierten Langspielplatten von 1982 und 1987. Zeitlos schöne Blasmusik, ohne jeglichen politischen Inhalt sollte mit diesen Tonträgern präsentiert werden. Eine extra hierfür arrangierte Volksliederfolge von Kurt Kuhn wurde ebenso aufgenommen wie Stücke aus der Thüringer Umgebung, so der „Lauschaer Galopp“, die „Trusetaler Polka“ oder der „Rühler Springer“. Letzterer Tanz ist natürlich in Ruhla sehr oft dargeboten worden bei zahlreichen Veranstaltungen der Folklorevereinigung „Alt-Ruhla“, zum Beispiel unter dem Motto „Zu Gast im Elephanten in der Ruhl“. Diese „Alt-Ruhla“- Heimatabende wurden musikalisch begleitet durch einige Musiker des großen Blasorchesters, die sich zu einer kleinen Blasmusik-Besetzung formierten. Im Laufe der Zeit entstanden daraus die „Erbstromtal-Musikanten“, die fortan sogar mit Gesang den großen Orchesterapparat bei kleineren Auftritten entlasteten. Veranstaltungen wie Schlachtfeste, Karneval in Seebach oder stimmungsvolle Kirmesmusik wurden somit bedient.

Als im September 1989 zum 40jährigen Jubiläum des Ruhlaer Blasorchesters mit Stolz auf die kulturellen Errungenschaften angestoßen wurde, ahnte keiner der Anwesenden, dass auf den Verein in Kürze tief einschneidende Veränderungen zukommen würden. Die politische Wende vom November 1989 brachte nicht nur positive Aspekte mit sich. Ab 1990 wurde die Bindung zwischen Betrieb und Blasorchester gelöst, für die Kultur wurden die Gelder gestrichen und das Uhrenwerk wurde ein Liquidationsobjekt. Viele Orchestermitglieder suchten mit der neu gewonnenen Situation ihre berufliche Chance in der Fremde, sodass ein Personalschwund von fast zwei Drittel zu verzeichnen war. Außerdem brach die Jugendausbildung bis auf Einzelfälle komplett ein. Die Existenz des Klangkörpers stand auf der Kippe. Glücklicherweise kam in dieser kritischen Phase von fast allen Berufsmusikern, so auch vom künstlerischem Leiter Kurt Kuhn die Zusage, das Orchester weiterhin zu unterstützen. Gemeinsam mit anderen an den Klubhäusern von Ruhla und Seebach tätigen Vereinen wurde zunächst der „Kultur- und Freizeitverein e.V.“ gegründet, wo neben dem Orchester, welches sich nun „Blasorchester Ruhla“ nannte, auch die „Seebacher Krebsbachspatzen“ vertreten waren. Auch wenn die triumphalen Zeiten der großen Bläserwettstreite in unerreichbare Ferne gerückt waren, gab es wieder ersten Aufwind mit Erfolgen für die Ruhlaer Musikanten. Die traditionellen Muttertags- und Weihnachtskonzerte wurden aus der Taufe gehoben und entpuppten sich von Anfang an als Zuschauermagnet. Bei vielen Festen in den alten Bundesländern waren die Erbstromtal-Musikanten vertreten, oft zusammen mit der Ruhlaer Trachtengruppe, so in Bockenheim, Warburg, Oberelsbach, Lautenhausen oder zum 1. Jahrestag der Deutschen Einheit 1991 in Hamburg. Einer Einladung zum „Internationalen Tanzfestival 1992“ nach Bolsward in den Niederlanden wurde gern gefolgt.  

Auch in Ruhlas sauerländischer Partnergemeinde Schalksmühle wurden Konzerte dargeboten, wie 1994 ein Benefizkonzert zu Gunsten der Tschernobyl-Hilfe, zusammen mit einem englischen und einem weißrussischen Orchester. Doch auch in der Heimat waren die Musikanten aus Ruhla gefragt. Über zehn Jahre lang wurde beim „Gothaer Gothardus-Fest“ der originale Zapfenstreich durch das Blasorchester Ruhla zelebriert. Ein Konzert zusammen mit dem „Musikverein Karlsruhe-Neureuth e.V.“, dessen damaliger musikalischer Leiter Heini Weyh zu den Ruhlaer Gründungsmitgliedern zählte, wurde 1993 im Hotel Thalfried veranstaltet. Auch in Ruhla selbst kamen zahlreiche Auftritte hinzu. Eindrucksvolle Highlights waren das Stadtfest 1996, die MDR-Rucksackwanderung 1997 sowie das 4. Thüringer Landestrachtenfest 1999.

Ende der 1990er Jahre verließen immer mehr Untergruppen den Kultur- und Freizeitverein, sodass sich dieser 1998 auflöste. Das „Blasorchester Ruhla“ sowie die „Seebacher Krebsbachspatzen“ gründeten daraufhin 1999 den „Musikverein Erbstromtal e.V.“. Im gleichen Jahr fanden auch die Feierlichkeiten zum 50jährigen Orchesterjubiläum in Form einer Festwoche statt. Im Rahmen eines Schülerkonzertes wurde damals erneut eine Offensive gestartet, Jugendliche als Nachwuchsmusiker zu gewinnen. Die anfänglich erfreuliche Euphorie bei den Jugendlichen ebbte binnen kürzester Zeit wieder ab, sodass als Resultat nur zwei Flötistinnen übrigblieben. Das Erlernen eines (Blas-)Instrumentes erfordert besonders in der Anfangszeit intensive Übungseinheiten, wofür offensichtlich die Jugend der Neuzeit nicht mehr bereit ist. In der heutigen „Fun-Gesellschaft“ gehen die Interessen bei der Freizeitgestaltung in andere Richtungen.

Die Vereinsarbeit musste trotzdem weitergehen, so wurde zum Weihnachtskonzert 2002 MD Kurt Kuhn ehrenvoll in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Die künstlerische Verantwortung übernahmen nun Siegfried Umbreit und Holger Bärenklau. Schöne Erlebnisse hatten die Musiker in Escaudain 2003. Mehrere Vereine besuchten damals die französische Partnerstadt von Ruhla. Ebenfalls 2003 schlüpften die Erbstromtal-Musikanten in Uniformen und spielten als Feuerwehrkapelle bei einer Szene der ARD-Serie „Familie Dr. Kleist“ mit. Ab 2004 wurde zusammen mit den Krebsbachspatzen insgesamt sechsmal ein Oktoberfest im Kulturhaus Ruhla veranstaltet, wobei sich die Vereinsmitglieder ein größeres Interesse bei der Bevölkerung gewünscht hätten. In guter Erinnerung behält das Blasorchester auch die Konzert-reise nach Xanten am Niederrhein 2006. Es folgte damit einer Einladung des dortigen Akkordeonorchesters Alpen-Veen, welches zuvor auch in Ruhla gastierte. Im Jahr 2009 gab es gleich drei Anlässe zum Feiern: 60 Jahre Blasorchester Ruhla, 30 Jahre Krebsbachspatzen und 10 Jahre Musikverein Erbstromtal e.V. Der in Summe „100. Geburtstag“ wurde einmal mehr im Kulturhaus Ruhla festlich begangen, denn dieses Gebäude war seit seiner Erbauung 1950 Domizil der Musikanten. Somit ist das Ruhlaer Blasorchester der Verein mit der längsten Nutzungsdauer in diesem Haus.  Im Jahre 2015 verließen die Krebsbachspatzen den „Musikverein Erbstromtal e.V.“, der ab diesem Zeitpunkt nur noch das Blasorchester beinhaltet. Doch die Zeit bis heute gestaltete sich für den Verein keineswegs ereignislos. Traditionell spielen die Erbstromtal-Musikanten zur Rühler Kirmes, zum Ruhlaer Schützenfest, zur Kirmes in Etterwinden und seit einigen Jahren zweimal im Jahr im Bad Salzunger Gradierwerk. Auch kommen immer mehr Auftritte zu festlichen Anlässen in Quartett- oder Quintett-Besetzung hinzu, so auch das jährliche Turmblasen vom Concordia-Kirchturm zur Adventszeit.

Im Mai 2019 steht das 70jährige Vereinsjubiläum an, aus dessen Anlass zu einem Jubiläumskonzert eingeladen wird. Zeit wieder einmal zurückzublicken, aber auch zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. Das Orchester hat heute einen Altersdurchschnitt von 52 Jahren und ist momentan noch so aufgestellt, dass alle benötigten Instrumente besetzt werden können. 

Musiker, die sich dem Musikverein anschließen möchten, sind stets willkommen. 

Dem treuen Publikum und Freunden der Blasmusik ein großes Dankeschön! Schließlich zählt die Musik zu den Lieblingssinneswahrnehmungen des Menschen!

tk | Text/Fotos Musikverein Erbstromtal e.V.

 

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