Das ehemalige Traditions-Gasthaus „Zur Rose“ ist heute Bar und Spielothek

Es wurde wiederinstandgesetzt, das einstige Traditions-Gasthaus „Zur Rose“ in der oberen Karolinenstraße in Ruhla.

Hier befindet sich heute eine Bar und im Nebengebäude eine Spielothek. Wie viele Gebäude der Bergstadt, ist auch dieses Haus ein Teil der Ruhlaer Ortsgeschichte. Ursprünglich und vor einigen Um- und Erweiterungsmaßnahmen der früheren Eigentümer war es herzoglich gothaisches Forsthaus. Als der neue gothaische Forsthof in der heutigen Forststraße entstanden war und dieses Gebäude keine Verwendung mehr hatte, erwarb es der Brau- und Böttchermeister des Amt Tenneberg gehörenden Ruhlaer Ortsteils Johannes Köllner. 1830 richtete dessen Sohn, auch namentlich Johannes, nach Genehmigung durch den Herzog einen Gasthof für gehobenere Ansprüche und Honoratioren mit Pferdeställen, Remisen, einer Brauerei und einem Gartenlokal ein. Zu dieser Zeit war es das erste Logierhaus dieser Art in Ruhla – irgendwann sogar über Jahre das größte und beste. Den Namen „Zur Rose“ erhielt es um 1840. Nach dem Tod des Vaters übernahm Otto Köllner 1855 das Gasthaus. Er hatte allerlei Erfahrungen während seiner Ausbildung im „Hotel de Paris“ in Frankfurt/Main und seiner Tätigkeit im „Englischen Hof“ in Bad Homburg als Obersaal- und Zimmerkellner gesammelt. Und so führte er es unter noch höheren Qualitätsetiketten. Den Brauereibetrieb hatte er eingestellt.
Otto Köllner sah und nannte sich als „Gastgeber“, tauchte in Chronikaufzeichnungen und im Kirchenbuch als „der Rosenwirt“ auf. Anzunehmen ist, dass der Saalneubau seiner Zeit entstanden ist. Dieser befand sich im linken Trakt und wurde für Tanzveranstaltungen genutzt. Zu DDR-Zeiten diente er als Möbellager. 1871 gab er das Gasthaus auf und betrieb ein neu gebautes Hotel. Der neue Rosenwirt hieß Wunderlich. Die „Rose“ wurde zum beliebten Gasthof vieler Ruhlaer Vereine, darunter Sportvereinigungen oder des 1887 gegründeten Thüringer Wald-Vereins. Außerdem wurde das Gasthaus zur Herberge für wandernde Handwerksburschen und sonstige Wandersleute sowie als Café für Kurgäste genutzt. Im rechten Hausflügel war die Gaststube untergebracht und gleich nebenan befand sich ein Vereinszimmer. Eine Bierzapfsäule, welche für das Rühler Mundarttheater genutzt wird, stammt vermutlich aus dem einstigen Gasthaus zur Rose (Foto rechts). Im hinteren Bereich des Hauses gab es eine große Küche. Vorhandene Zimmer/Wohnungen wurden nach dem Krieg an Umsiedler vermietet. Sehr beliebt war das Gartenlokal bei den Gästen. Ein großes Tor zur Straßenseite und eine Mauer zum Nachbarhaus diente als Umzäunung des kleinen Biergartens. Eine große Linde spendete in den Sommermonaten den Gästen ein schattiges Plätzchen. 1902 übernahm die Ruhlaer Familie Kehl den Gasthof und betrieb ihn über Jahrzehnte. Der neue Anbau wurde in späteren Zeiten errichtet. An dieser Stelle befanden sich einst Ställe für Pferde und andere Nutztiere. Zudem wurde ein Teil hiervon als Kutschenunterstellmöglichkeit genutzt. Im hinteren flachen Gebäude am Hang, in dem sich heute Wohnungen befinden, war einst die Kegelbahn. Heute ist das Haus wieder in Familienbesitz, von Pächtern wird derzeit die Bar/Spielothek betrieben.

Ein weiteres Gelände in der Altensteiner Straße, neben dem heutigen Bestattungshaus Becker, gehörte zum Anwesen. Wie nach dem Gasthaus benannt, wurde es als „Rosengarten“ bezeichnet. Hier befand sich eine weitere Unterstellmöglichkeit für Kutschen und andere Fuhrwerke. Diese war eine Konstruktion, versehen mit Holzbalken als Stützvorrichtung, geschützt durch eine einfach gehaltene Überdachung. Zu jener Zeit wurden hier die einen oder anderen Gartenfeste ausgerichtet. Zu späteren Zeiten sind hier massive Garagen errichtet worden, die bis heute als Abstellmöglichkeit dienen. Das Grundstück ist auch heute wieder in privatem Besitz.


aki/rz, M.Stein
Fotos: aki, S. Möller
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