Der Wetterhahn von Sankt Concordia blickt zurück

Der Rühler Wetterrückblick für den Monat Dezember 2019, für Sie zusammengestellt von Wetterhahn Gert Götze aus Ruhla.

Wir waren im letzten Monat unserer Wetterwanderung des Jahres 2019 entlang der Wetterfreuden und auch Wetterleiden für unser Bergstädtchen angekommen.
Die Tage wurden immer kürzer und die Abende lang und länger, aber auch irgendwie besinnlicher. Die Adventszeit lud mit Kerzenschein und ersten Weihnachtsgerüchen zum gemütlichen Zusammensein am warmen Ofen ein.

Draußen in Wald und Flur war es still geworden. Hier und da vernahm man bei einem Spaziergang im Schnee ein leises Vogelgezwitscher, ansonsten herrschte eine ungewöhnliche Ruhe. Das große Fest der Weihnacht sowie die Wintersonnenwende gaben gerade dieser Zeit einen spirituellen Aspekt. Sollte das für uns nicht auch Anlass sein, uns zu besinnen? Die Zeit ist irgendwie geheimnisvoll, das Leben in der Natur ist still und nach innen gekehrt. Gerade wir, die sich mit der Natur verbunden fühlen, sollten diese Impulse Aufnehmen und neue Kraft schöpfen.

Die erste „Neue“ (Weidmännisch für Neuschnee) ist gefallen und der Jägersmann sieht auf den ersten Blick an den Fährten, welches Wild sich wo in seinem Revier aufhält. Wie herrlich ist es bei einem Winterspaziergang, das Knirschen des frisch gefallenen Schnees unter den Stiefelsohlen zu spüren und auch zu hören. Im bäuerlichen Leben unserer Altvorderen standen nun Arbeiten in Haus, Hof, Scheune und Stall im Vordergrund. Für den Landmann und Gärtner galt und gilt auch heute noch die Sorge um die Vorräte. Lagerobst, Gemüse, Kartoffeln, aber auch die Futtermittel wurden und werden überprüft, um Verluste möglichst gering zu halten.

Die Vorweihnachtszeit mit ihren Sitten und Gebräuchen nahmen im bäuerlichen Leben einen wichtigen Platz ein. Wir alle täten gut daran, wenn wir uns an die alten Sitten und Gebräuche rückerinnern und einiges davon für unser heutiges Leben übernehmen würden. So könnten wir der Hektik des Alltags wenigstens für einige Zeit entfliehen, über so manches nachdenken und zur Ruhe kommen. Unsere Seelen und besonders unsere Kinder wie auch unsere Mitmenschen werden es uns danken. Wie sagt man dazu so schön auf Neudeutsch: das Leben etwas „entschleunigen“.

Der letzte Monat des Jahres ist wie bei allen anderen aus ländlichen, sittlichen, sprachlich bedingten, nationalen, religiösen, ethnischen oder sonstigen Bedingungen unter den verschiedensten Namen oder Bezeichnungen bekannt. So kennen wir ihn unter anderem unter den Bezeichnungen: Christmond, Heilmond, Hartmonat, Julmond, Dustermond, Wintermanet, Andermanet, Mambon, und vieles mehr.

Wie sollte es auch anders sein, die Bezeichnung Dezember verdanken wir natürlich den alten Römern. Nach alter römischer Zählung war der Dezember der zehnte (decem) und letzte Monat  des 304 Tage währenden Mondjahres, welches im März begonnen wurde. Als dann unsere römischen Freunde auf das 365 Tage dauernde Mondsonnenjahr umstellten, mit den neuen Monaten Januar und Februar, war unser Dezember plötzlich der 12. Monat, aber sein alter Name blieb, wahrscheinlich aus römischer Bequemlichkeit. Als weitere Besonderheit wollen wir nicht vergessen, die alten Römer hatten den Dezember dem Saturen gewidmet und im julianischen Kalender war der 25. Dezember der Tag der Wintersonnenwende. Die alten Christen erkoren den Tag der Wintersonnenwende dann zum Geburtstag von Jesus. Die Wintersonnenwende, der Tag mit dem niedrigsten Sonnenstand – also der kürzeste Tag und die längste Nacht, ist aber wie jedem bekannt, im heutigen Kalender der 21. Dezember (Tageslänge 7 Stunden und 55 Minuten). Gott sei Dank, es gab den Papst Gregor den XIII, der mit seiner Kalenderreform von 1582 die Sache wieder auf die Füße stellte.

Die ersten zehn Dezembertage zeigten sich relativ dunkel. An 5 Tagen erwies sich unser Himmelsgewölbe bedeckt und an 2 Tagen bewölkt. Lediglich an 3 Tagen war der Himmel leicht bewölkt bis wolkig. 14,5 Sonnenstunden in 10 Tagen sind hierfür ein beredtes Zeugnis. Die Durchschnittstemperatur lag in den ersten 10 Tagen bei 2,64 °C. Die Höchsttemperatur in der ersten Dezemberdekade zeigte uns 8,8 °C am 8.Dezember und die niedrigste Temperatur lag am 1. Dezember bei -4,1 °C. Regen fiel im Berichtszeitraum an 5 Tagen mit 16,4 l/m².  

Die zweiten 10 Tage präsentierten sich am Himmelsgewölbe an 7 Tagen bedeckt und an 3 Tagen wolkig. Alles in Allem wieder eine recht dunkele Angelegenheit mit gerade mal 10,3 Sonnenstunden an 10 Tagen. Ein Tiefdruckgebiet gab im Berichtszeitraum dem anderen die Klinke in die Hand. An 2 Tagen, am 12. und 13., fiel sogar etwas Schnee aus dunklen Wolken, der allerdings nicht liegen blieb. An 7 Tagen regnete es 22,7 Liter auf Ruhlas zum Teil neu gedeckte Dächer. Die Temperaturen lagen in der 2. Dezemberdekade noch höher als in den ersten 10 Tagen. Am 20.12. zeigte die Quecksilbersäule für Ruhla einen doch recht ungewöhnlichen Höchstwert von 13,7 °C. Am 13. des Monats zeigte unser Thermometer als niedrigsten in der zweiten Dekade gemessenen Wert von -0,8 °C. Wie ich meine, für einen Dezember ein relativ hoher Minimalwert.

Resümee des bisherigen Monatsverlaufes: Es war wiederum viel zu warm.

Die dritte Dekade des letzten Monats im Jahres 2019 begann in den ersten 4 Tagen wie bisher gehabt. Wie nicht anders zu erwarten, zeigte sich Ruhlas Weihnachtslandschaft in einem üppigen Grün. Seit dem Jahr 2001 hatten wir in nur 3 Jahren das große Glück, in Weiß das Christfest begehen zu dürfen, also mit geschlossener Schneedecke.

2001 – 7 cm Schnee gefallen am 21.12.
Höchsttemperatur -6,5 °C   –   Tiefsttemperatur -11,8 °C
2003 – 10 cm Neuschnee
Höchsttemperatur -3,0 °C   –   Tiefsttemperatur -8,7 °C
2010 – 18 cm Neuschnee mit starken Verwehungen am 23.12.
Höchsttemperatur 2,1 °C   –   Tiefsttemperatur 0,0 °C

Ich bin ja mal gespannt, wann wir wieder mal Weihnachten im Schnee begehen dürfen.

Im letzten Drittel des Monats zeigte sich unser Firmament an 8 Tagen bedeckt und an 3 Tagen gen Monatsende leicht bewölkt. Diese Entwicklung ist der Tatsache geschuldet, dass ab 26.12. Hochdruckgebiete in bzw. über Mitteleuropa das Heft in der Wetterküche übernahmen. So konnten wir uns in den letzten Tagen des Jahres über 14,5 Sonnenstunden erfreuen. Dadurch brachte es unser Dezember immerhin auf eine Summe von 40,7 Sonnenstunden. Für Ruhla ist das ein erquicklicher Wert, lagen wir in den letzten 13 Jahren bei etwa 20 bis 25 Stunden Sonnenschein. In der letzten Dezemberdekade fielen nochmals 26,5 Liter Regen an 4 Tagen. Hiermit brachten wir es im gesamten Monat auf 65,6 Liter des himmlischen Nass, und zwar an 16 Regentagen. Im Schnitt der letzten 13 Jahre regnete es im Dezember laut Wetterstation „Otfried Blumenstein“ in diesem Monat 63,14 Liter an jeweils 18 Tagen.

Erschreckend ist die im Dezember erreichte Durchschnittstemperatur für unser schönes Bergstädtchen. Hier zeigte uns die Quecksilbersäule – Entschuldigung nach dem Quecksilberverbot der EU die Alkoholsäule – des Thermometers den fast unglaublichen Wert von 3,10 °C. Der Mittelwert der letzten 13 Jahre belief sich dagegen auf 1,23 °C. Resümierend muss man also feststellen, der Dezember passt in den aktuellen Trend, es war viel zu warm.

Bauernregel des Monats

Weihnachten sei nur auf dem Tisch grün.
Im Dezember sollen Eisblumen blühen.
Ist der Winter warm, wird der Bauer arm.

Wetterphänomene im Dezember

Längste geschlossene Schneedecke in Eisenach vom 25.11.1969 bis 15.03.1970, das waren 112 Tage. Ihre maximale Höhe erreichte allerdings nur 10 cm. Höchste Tagestemperatur im Dezember am 07.12.1979 in Stuttgart 19,9 °C.

Gert Götze


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