Es summt und brummt auf der Wiese

Kita-Kinder aus Ruhla und Seebach werden zu Umweltschützern von Morgen

Was haben ein farbenprächtiger Schmetterling, eine lästige Mücke und die fleißige Honigbiene gemeinsam? Sie alle gehören zu den Insekten. Die meisten Insektenarten sind zwar sehr klein, und viele gelten den Menschen eher als lästig. Doch Insekten werden unterschätzt.

Wie wichtig und interessant Krabbeltiere für Mensch und Natur sind, haben die Kinder aus den Kitas „Krümmespatzen“ in Ruhla und „Wartbergzwerge“ in Seebach während eines Ausflugs ins Grüne mit Biologe und Imker Klaus Ehrlich erfahren. Nachdem sie gemeinsam einen großen Schmetterling gebastelt und gemalt hatten und ihr farbenfrohes Kunstwerk zur Redaktion der Ruhlaer Zeitung brachten (RZ berichtete), folgte der versprochene Ausflug an zwei verschiedenen Terminen für die beiden Einrichtungen.

Pünktlich zum Kindertag startete die eine Expedition der Vorschulkinder „Naseweis“ aus Seebach zur Wiese oberhalb der Waldstraße, die andere Gruppe der „Mäuse und Frösche“ aus Ruhla inspizierte knapp eine Woche später die Wiese „Am Aschhof“ gleich hinter der Einrichtung. Mit Käscher und viel Eifer gingen die Kleinen auf Schmetterlingsjagd. Im dichten, hohen Gras gab es aber noch viel mehr zu entdecken. Es summte und brummte, krabbelte und hüpfte. „Kinder sind fasziniert von allen natürlichen Details, wenn man sie ihnen zeigt und erklärt“, weiß der junge Biologe und Vater Klaus Ehrlich aus Erfahrung. Beflügelt von Entdeckungsfreude drehen sie jeden Stein um auf der Suche nach Krabbeltieren und freuen sich über die vielen Junikäfer, Grashüpfer, Blattläuse, Heupferde und Schmetterlinge, denen sie auf der Wiese begegnen. Das Aufwachsen in und mit der Natur legt den Grundstein für Umwelt-, Arten- und Naturschutz, ist sich Ehrlich sicher. Ameisenbläuling, Baumweißling und Pfauenauge – jeder Falter liebt ein anderes Blümchen, manche von ihnen fliegen sogar in den Süden, wenn es ihnen hier zu kalt wird. Schuppen auf den Flügeln bilden den Farbenreichtum mancher Schmetterlinge. Berührt man sie, fallen die Schuppen ab. „Es gibt in Deutschland etwa 3.500 verschiedene Schmetterlingsarten, von denen aber nur 190 tagaktiv sind“, weiß Ehrlich. Sie alle sind Dienstleister im Ökosystem, zuständig für Bestäubung und Nahrungsgrundlage für andere Arten. Höchst alarmierend ist die Tatsache, dass der Bestand aller Insekten seit 1987 um 80 Prozent zurückgegangen ist. Der dramatische Sinkflug hängt zusammen mit landwirtschaftlicher Nutzung der Flächen und dem Einsatz von Pestiziden, wodurch der natürliche Lebensraum von Flug- und Krabbeltieren zerstört wird. Sie sind abhängig von der Blütezeit spezieller Pflanzen, die meistens jedoch abgemäht werden, bevor sie blühen. Das daraus gewonnene Futter ist vor der Blüte am energiereichsten. Für den Schmetterling und viele andere Insekten bedeutet dies jedoch Hunger und Tod. „Im Thüringer Wald ist die Situation noch nicht so besorgniserregend wie im Thüringer Becken“, berichtet der erfahrene Biologe. Doch auch während der beiden Ausflüge sehen die Kinder nur selten Schmetterlinge. Dafür sei es noch ein wenig zu früh, lässt Ehrlich wissen. Im Juli und August haben die Falter Hochsaison, was nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass auch bei uns der Bestand schon mächtig gelitten hat.

Wie gut, dass Klaus Ehrlich seine Bienenvölker derzeit ganz in der Nähe des Ruhlaer Kindergartens beheimatet und den Kindern einen Einblick in das emsige Treiben seiner Honigbienenstöcke gewährt. Etwa 30.000 bis 40.000 Bienen leben in jedem Stock und produzieren im Jahr beachtliche 60 bis 80 Kilogramm Honig – die Kinder sind begeistert, Angst vor Stichen hat niemand, als Klaus ihnen sogar die Königin des Stockes zeigt. Sie ist die größte und zuständig für den Nachwuchs. Den Honig stellen die Arbeiterbienen her, die unermüdlich aus dem Flugloch surren.

Zum Abschluss serviert Klaus Ehrlich eine Wabe mit frischem, goldgelben Honig zur Verkostung. Den schlecken die Kinder genüsslich von ihren Fingern. So schnell werden sie diesen Ausflug nicht vergessen und genau hinschauen beim Spazierengehen, wenn eine Honigbiene vorbeisummt und ein Schmetterling die Sommerwiese besucht.     skr/rz


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