Geschichtliches zum Jubiläum des Schulstandortes Breitenbergschule

In diesem Jahr wird das gelbe Schulgebäude der Ruhlaer Breitenbergschule, am Eingang der Köhlergasse, 150 Jahre alt. Dies werden die Lehrer, Erzieherinnen, ehemalige Lehrerkollegen und Grundschüler gemeinsam mit Eltern und vielen Gästen feierlich begehen.

Nach entsprechender Vorbereitungs-, Planungs- und Genehmigungszeit wurde 1956 mit den Bauarbeiten begonnen. Wegen der Hanglage mussten umfangreiche Erdarbeiten vorgenommen werden. 1957 erfolgte der Rohbau, im Anschluss der Ausbau und am 1. Juli 1957 wurde Richtfest gefeiert. Mit dem Beginn der Industrialisierung war in Ruhla GA nicht nur die Elementarbildung verbessert worden, sondern auch eine berufsbezogene Fortbildung in Gang gekommen. 1852 wurden Zeichen- und Sonntagsschule in einer Gewerbeschule mit 3 Lehrkräften zusammengefasst. In Ruhla WA war es zum Schulnotstand gekommen. Ein 1825 auch erwogener Schulneubau war von den nicht fortschrittlich orientierten Kräften abgelehnt worden. Kantor Baumbach, der wegen Sorge um den Erhalt seiner Besoldung selbst gegen eine Veränderung war, musste im einzigen Schulsaal bis zu 230 Kinder betreuen. Ab 1825 war man schon gezwungen, zunächst noch in Abstimmung mit der Forstlehranstalt, Unterricht auch im Forsthaus durchführen zu lassen, und zwar teilweise vom Pfarrer, von Hilfskräften und älteren Schülern. 1843 waren durch das Großherzogliche Oberconsistorium erhebliche Schul- und Unterrichtsmängel amtlich festgestellt worden, es vergingen aber nochmals zehn Jahre, bis endlich die zweite Lehrerstelle geschaffen und ein Schulneubau beschlossen wurden. Die Gegner des schulischen Fortschritts verhinderten diesen jedoch noch weitere Jahre. Sie ließen sogar ein Theaterstück schreiben und aufführen, in dem sie Pfarrer Jocobi, den Hauptverfechter des Schulbaues, und alle Befürworter heftig angriffen. Schließlich siegten aber doch die Kräfte der Vernunft, und 1857/58 konnte an der Stelle des abgerissenen Armenhauses ein Schulneubau mit zwei Schulsälen und zwei Lehrerwohnungen für 5300 Taler errichtet werden. Es war das im November 2005 abgerissene Hauptgebäude des späteren Rathauses. Für die neue Schule gab es dann auch die dritte Lehrerstelle, Schülerzahl 235. Ruhla hatte nun sieben Lehrer und in jeder der beiden Gemeinden eine dreiklassige Volksschule. Unterricht war außer Mittwoch und Sonnabend auch nachmittags. 1861 berieten Kommissare der beiden herzoglichen Regierungen mit den Ruhlaer Gemeinde-, Schul- und Kirchenvorständen ein Vorhaben zu einer Art Ruhlaer Einheitsschule mit gemeinsamer Oberer Volksschule, Realschule und Gewerbeschule. Klassen-, Unterrichts-, Stunden- und Lehrerpläne wurden als Vorlagen an die beiden Regierungen erarbeitet. Dort stimmte man schließlich einer Vereinigung mit gleichzeitiger Integration einer höheren Bildung nicht zu (lt. Bericht von Rektor Weithase). Im Zuge der industriellen Entwicklung entstanden bis 1868/69 in Ruhla 13 Metallwarenfabriken. Die Einwohnerzahl wuchs auf über 4400 und die Schulkinderzahl auf etwa 570 an. Nun konnte Ruhla GA ohne Schwierigkeiten einen großzügigen Schulneubau mit fünf Sälen und einer Wohnung, die „Gelbe Schule“ an der Köhlergasse, für 7560 Reichstaler bauen lassen und bereits 1868 übergeben. In nunmehr acht Schulräumen wurde eine staatliche, gebührenfreie, sechsklassige Bürgerschule eingerichtet (vier einjährige Unterklassen, zwei zweijährige Oberklassen) und eine gebührenpflichtige Realabteilung für Französisch, Englisch, Latein, Geometrie, Arithmetik, Chemie und Physik angegliedert. Die Zahl der Lehrer erhöhte sich zunächst auf sieben, bis 1870 auf zehn.

Leiter der Schule war der von einem Elternverein 1865 zum Betreiben eines Privatinstituts aus Oldenburg nach Ruhla geholte Pädagoge E. Presuhn, der auch der Gewerbeschule vorstand. Seine Verdienste lagen in der Reorganisation der Schule, der Erweiterung und Verbesserung des Unterrichts, der Praktizerung eines Fachlehrersystems, der Beseitigung der Geschlechtertrennung. LUDWIG STORCH begeisterte sich 1869 für die neue Schule in seinem Gedicht „An die verjüngte Ruhl“: „Und deine Schulen gleichen jetzt Palästen, Pflanzstätten junger Kunst und Wissenschaft ...“ Die reformierte Bürgerschule Ruhla GA konnte sich so, wie sie begonnen worden war, nicht halten. Die Realabteilung rentierte sich nicht, da die wohlhabenden Familien ihre Kinder doch lieber in auswärtige Anstalten schickten und sich eine gewerbebezogene Fortbildung entwickelt hatte. Der höhere Unterricht musste auf die Fächer Französisch und Englisch, die Elementarabteilung auf frühere Unterrichtsinhalte reduziert werden, wobei es dann für Jahrzehnte blieb und dem sich Ruhla WA später anglich. Nach Presuhns Weggang wurden auch andere Errungenschaften der Volksschule wieder beseitigt bzw. geschmälert.

Bereits 1888/89 hatte Ruhla GA ein weiteres Schulgebäude errichten lassen, die „Rote Schule“ an der Köhlergasse mit sechs Sälen. Die nun nicht mehr benötigten alten Gebäude wurden umgebaut, die Kirchstiegschule zu Wohnungen, die Hirsch-Schule zum Rathaus. Auch Ruhla WA ließ 1892 zum Dienstantritt des ersten hauptamtlichen Bürgermeisters Otto Lederer im ältesten Schulgebäude Rathausräume einrichten. 1899/1900 erhielt die „Rote Schule“ an der Köhlergasse für rd. 35 000 RM Baukosten an der Bergseite noch einen Anbau mit vier Sälen, so dass Ruhla GA in zwei Gebäuden nun 15 Schulräume hatte, Ruhla WA in zwei Gebäuden 9.

Die industrielle Entwicklung in den Jahren um 1890 zog den Bedarf an weiteren angelernten, geschickten Arbeitskräften, an naturwissenschaftlich-technisch vorgebildeten Facharbeitern und an Kaufleuten mit fremdsprachlichen Kenntnissen nach sich. Einer solchen spezielleren Ausbildung kam man 1894 mit der schon länger geforderten Vereinigung und Reorganisation der beiden Fortbildungsschulen nach. Um die Erreichung größerer Fertigkeit in Fabrik- und Heimarbeit bei Kindern und Jugendlichen bemühte sich die ebenfalls reorganisierte Industrieschule, bis dahin vom Frauenverein betrieben, mit Unterricht durch eine von diesem bestellte Lehrerin in deren Wohnung. 

1905 waren die Volksschulen beider Orte Ruhla mit je zwei Abteilungen und sieben bzw. acht Klassen voll ausgebaut. Insgesamt 22 Lehrer hatten etwa 1100 Kinder zu unterrichten. Das Bildungsniveau war allgemein niedrig. Allerdings wurde eine schulgeldpflichtige „Schule mit höheren Zielen“ an die Volksschule angegliedert (zusätzliche Unterrichtsstunden), die bis zum 1. Weltkrieg bestand.

Ein weiterer geplanter Neubau zur Breitenbergschule, oberhalb der vorhandenen Gebäude, kam aufgrund des 1. Weltkrieges nicht zustande. Das Bestreben beider Volksschulen, sowohl Gothaischer wie auch Weimarischer Seite zu einer Einheitsschule, konnte zum 1. April 1921 im Rahmen der Bildung des Landes Thüringen und des Zusammenschlusses zu einer städtischen Gemeinde umgesetzt werden. Ab 1922 wurden in der Schule am Fuße des Breitenberges die Klassen 1 bis 4 für die gesamte Bergstadt unterrichtet. 23 Jahre später, kurz nach Ende des 2. Weltkrieges, erfolgte von den Siegermächten UdSSR, USA und Großbritannien der Beschluss einer Schulreform. Am 1. Oktober 1945 wurde der Unterricht wieder aufgenommen. Die Umbenennung in „Karl-Marx- und Friedrich-Engels-Schule“ kam am 1. November 1945. Die Trennung Grund und fortführende Schule wurde 1951 aufgehoben und so erhielt die Schule nur noch den Namen „Karl-Marx-Schule“. Für Berufsschulzwecke nutzte man vorübergehend Räumlichkeiten in der „Roten Schule“. 1957 begann zudem die polytechnische Ausbildung im damaligen Paten-Betrieb ERU. Den Status „10-klässige POS“ bekam die „Karl-Marx-Schule“ 1916. Als Tagesschule wurde zusätzlich das ehemalige Jugendherbergsgebäude in der Altensteiner Straße genutzt.

Nach der politischen Wende 1989 fiel der Samstagsunterricht weg, eine Neugestaltung des Schulwesens wurde 1991 vorgeschlagen und die Umwandlung der POS „Karl-Marx“ in eine zweizügige Regelschule erfolgte. Der Umbau des ehemaligen Schwimmbeckens in der „Roten Schule“ als Technikraum folgte 1993. 1996/97 wurde der komplette Regelschulbetrieb nach Seebach verlagert, in beiden Gebäuden fortan, wie in den 1920er Jahren, Grundschulunterricht abgehalten. 2000 erhielt die Schule erstmals den Namen „Breitenbergschule“. 2001 bis 2006 wurde die Rekonstruierung beider Schulgebäude realisiert, unter anderem auch die Schaffung direkter Verbindungsübergänge von Haus zu Haus.     

Fotos: Ortschronik Ruhla „Mi Ruhl, mi Heimet“ Band 2 (L. Köllner) aki/rz


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