Ruhla – Alt und Neu

Stadtansichten des Singer-Rains in der Bergstadt, damals und heute.

Wenn man in Ruhla vom Singer-Rain spricht, meint man das Gebiet unterhalb des Dornsenplatzes. Hier wurden bei Erdarbeiten enorm viele Schlackereste gefunden, die so nachweislich die Existenz eines Eisenhammerwerkes mit Schmelzofen belegen. „Singer“ ist die südthüringische Bezeichnung für Eisenschlacke. Wie an den meisten Stellen in Ruhla, floss Anfang des vorigen Jahrhunderts der Erbstrom als offener Gebirgsbach an den Häusern vorbei und bildete die Grenze zwischen zwei Herzogtümern. Viele kleinere Gewerke hatten sich gegründet und nutzten die Wasserkraft mittels Mühlrad. So auch in dem Gebäude „Obere Lindenstraße 46“ (links). Bis in die 1950er Jahre drehte sich im linken Erdgeschoss ein Wasserrad und erzeugte Strom. Das um 1910 fotografierte Fachwerkhaus gehörte einst dem Etuifabrikanten Gustav Breunig, der es an Theobald Thiel verkaufte. Thiel richtete dort 1908 einen Betrieb zur galvanischen Oberflächenbehandlung von Metallen ein. Drei Generationen sollten 100 Jahre lang die Firma führen, bis die Enkelin des Gründers, Bärbel Beck mit Ehemann Jürgen, 2008 in ihren wohlverdienten Ruhestand wechselten und das Gewerbe abmeldeten. Das Grundstück, welches sich oberhalb anschließt, wurde früher als Pflanzfläche der Gärtnerei Lerch genutzt. Diese grüne Oase mit Gewächshäusern ist auch im rechten Bild (um 1925) links hinter der Werbetafel zu sehen. Heute befindet sich dort das 1967 als Feuerwehrgerätehaus errichtete Gebäude (heute Wohnhaus).

Rechts unten erkennt man den Wassereinlauf zum innen befindenden Mühlrad der Fa. Thiel. Bereits 1936 wurde der Erbstrom in diesem Abschnitt eingetunnelt. Das linke Bild ist allerdings viel später aufgenommen und zeigt die teilweise nochmalige Öffnung der Rohre in Vorbereitung auf den Straßenbau 1976.

Das Haus der Familie Thiel hat im rechten Bild schon seine jetzige Optik. Die beiden Spitzgiebel wurden durch die Aufstockung beseitigt und das Sichtfachwerk mit Schiefern verkleidet. Im oberen Bereich (links) dieser Stadtansicht klafft schon eine gewaltige Lücke.

Das Wohn- und Werkstatthaus der Familie Erbs (linkes Bild in der Mitte) musste der heutigen direkten Straßenführung „Am Dornsenberg“ weichen. Der ursprüngliche, enge Straßenverlauf lag mit einer scharfen Linkskurve direkt hinter dem Gebäude. Die ehemalige Schreinerwerkstatt Sachse und weitere Häuser „Am Dornsenplatz“ blieben erhalten. Rechts sieht man die Einzäunung des Areals der einstigen Feuerwache. Vorne links erkennt man die Eingangstüren der damaligen Lebensmittelverkaufsstelle „Oschmann“, heute „Ruhla-Grill“. Der würfelförmige Müllcontainer ist ein Relikt aus DDR-Zeiten.

Text: tk | Fotos: Fa. Beck, Ortschronik Ruhla, aki/rz


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