Ruhlaer Kirchennacht fördert Bildungsprojekt

Das Glockenläuten ist ein Kraftakt – das war den Rühler Lütern anzusehen, als sie die mächtigen Tonkörper im Glockenhaus der St. Concordia pünktlich fünf vor fünf zum Schwingen brachten. Für Danilo Ritz, Mario Kehl, Olaf Seyfried und Michael Kleinsteuber ist der klangvolle Auftakt eine besondere Ehre.

Damals erklangen die insgesamt sechs Glocken beider Kirchen im Ort in einer aufeinander abgestimmten Melodie. Das melodische Läuten war eine Begabung, die über Generationen weitergegeben wurde“, weiß Danilo Ritz. Zur traditionellen Praxis gehört nicht nur diese Handlung bei der Kirchennacht, sondern auch die feierliche Eröffnungsandacht durch Vertreter aller vier Kirchen gemeinsam. Evangelisch, katholisch oder neuapostolisch, sie alle demonstrieren Gemeinschaft, Offenheit und Gastlichkeit – eine harmonische Haltung, die beispielgebend für gesellschaftliches Miteinander ist, wie Bürgermeister Dr. Gerald Slotosch anerkennend hervorhob. „Die Kirchen geöffnet für alle, offen für interessante Veranstaltungen – eben Kirche einmal anders erleben“, beschreibt Manfred Lange, Mitbegründer der Kirchennacht, die Initialzündung vor neun Jahren. Kulturelle Genüsse bestimmten das Programm bis spät in die Nacht. Live-Musik, Taizé Gebet, Vernissage, Rundgänge und Gesprächsangebote erfüllten die vier Gotteshäuser gleichermaßen mit Licht und Leben, der laue Sommerabend schien dafür wie bestellt.

Zusammen helfen

Genießen und gleichzeitig Gutes tun, konnten die Gäste im Rahmen des Projektes „Künstler für Kinder“, das Pfarrer Gerhardt Reuther letztes Jahr gemeinsam mit dem ruandischen Rapper „Ras Erigz“ ins Leben gerufen hatte, um damit den Erfolg des Ökumenischen 1WeltKreis im Erbstromtal weiter zu stärken. „Kreative aus der ganzen Republik und fast jedem Bereich engagieren sich mittlerweile im Projekt und unterstützen mit ihrem Talent die Schulbildung von Kindern und Jugendlichen aus Ruanda“, erklärt Reuther. Neu unter Künstlerschar ist Maria Thiel aus Ruhla. Ihre beeindruckende Scherenschnitt-Sammlung präsentierte sie im Seitenschiff der Concordia-Kirche gleich nach der Andacht. Unter all den faszinierenden Tierportraits galt das Hauptaugenmerk an diesem Abend dem Berggorilla. „Im schnelllebigen Alltag unserer Überflussgesellschaft vergessen wir oft, wie wertvoll ein Dach über dem Kopf ist, wie gut es ist, ohne Überlebensangst schlafen zu gehen, genug zu essen zu haben, lernen zu dürfen. Ich betrachte es als eine Art Ehre, den Kindern und Jugendlichen in Ruanda etwas von dem abzugeben, was ich hier genieße“, erklärt Maria ( Foto v. l.) ihr Engagement. 

Gute-Laune-Musik und gutes Gewissen

Ein weiterer „Künstler für Kinder“ ist der Liedermacher Dolus Mutombo (43) aus Leipzig / DR Kongo, der Ruhla schon einige Male mit seiner Band besucht hatte. Erstmals gab Dolus zur Kichennacht ein Solokonzert in der St. Concordia-Kirche, das den nächsten Höhepunkt des Abends bildete. Mit Gitarre, samtweicher Stimme und viel Charme gewann er das Publikum im Handumdrehen. Blues, Reggea und Afro färben seine selbstgeschriebenen Songs. „Ich soll das tun, was mir Freude macht, hat meine Mama immer gesagt, dann wird alles gut. Und sie hatte recht, denn ihr seid heute Abend alle hier“, gibt Dolus lächelnd preis. Wer die Gute-Laune-Musik a là Mutombo später auf CD kaufte oder eine Tragetasche mit dem Antlitz des Berggorillas, tat das mit gutem Gewissen. Der Erlös kommt dem Bildungsprojekt in Ruanda zugute.

Die 9. Ruhlaer Kirchennacht ist in der Bergstadt nicht nur gepflegte Tradition, sondern gelebter Ausdruck von Gemeinschaft. Der eine-Welt-Gedanke, den das diesjährige Programm transportiert, stand dabei gleichberechtigt neben überlieferten Ritualen im Mittelpunkt. 

Text / Fotos: skr


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