Uhr aus Ruhla begleitete den ersten Deutschen im Weltall

In Gedenken an Sigmund Jähn und die Sojus 31-Mission und im Rahmen des Interkosmos-Programms

Die Uhrenwerke Ruhla blicken auf lange Erfolge sowie eine reiche Geschichte zurück. Höhepunkt in der Historie ist das Jahr 1978. Sigmund Jähn, Kult-Kosmonaut der DDR und erster Deutscher überhaupt im All, trug auf seinem Weltraumflug eine deutsche Uhr am Arm – eine „Interkosmos“ aus Ruhla. Besonderes Erkennungszeichen der edlen Automatikuhren und Chronographen ist der „Ruhlaer Orientierungsbalken“, der eine raschere Erfassung der Uhrzeit erlaubt.

Am 26. August 1978 schreibt der im russischen Sternenstädtchen Swjosdny Gorodok (in der Nähe von Moskau) ausgebildete studierte Physiker und NVA-Offizier Sigmund Jähn Geschichte: Zusammen mit Oberst Bykowski startete der geborene Sachse Jähn mit der sowjetischen Rakete Sojus 31 ins All, die einen Tag später an die Raumstation Saljut 6 andockte.

Die Mission fand im Rahmen des Interkosmos-Programms statt, welches von der Sowjetunion ins Leben gerufen wurde, um die wissenschaftliche Forschung zu intensivieren und befreundete sozialistische Nationen ins eigene Weltraumprogramm einzubinden. Das Programm war im immernoch andauernden Kalten Krieg eine hervorragende Möglichkeit für die Sowjetunion, sich mit eigenen Erfolgsgeschichten gegenüber den USA zu beweisen.

Sigmund Jähns Ausflug macht ihn zum ersten Deutschen im Weltraum. Zu den Aufgaben des Forschungskosmonauten an Bord der Raumstation gehörten meteorologische Beobachtungen, die Erprobung technischer Prozesse in der Schwerelosigkeit und gesundheitliche Checks.

Er war allerdings kein Langzeit-Kosmonaut: Sein persönliches Weltraum-Abenteuer war schon nach 8 Tagen beendet, in denen er die Erde 125 Mal umkreiste. Trotz Verletzung an der Wirbelsäule bei der Landung ist ihm die Erleichterung in diesem Archivbild deutlich anzusehen (Randnotiz: Das Bild ist eine Autogrammkarte – nach der Landung einer Raumkapsel war es üblich, dass die Kosmonauten sich mit ihrer Unterschrift verewigten.)

In der DDR blieb der Ausflug von Sigmund Jähn nicht unbeachtet: Er wurde gefeiert wie ein Volksheld. Es folgten Orden, Ehrenbürgerschaften, Jubelrundreisen und Empfänge. Kindergärten, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen in der DDR wurden nach ihm benannt. Natürlich durfte auch eine Gedenk-Briefmarke nicht fehlen.

Trotz allen Medienrummels blieb Jähn bodenständig und antwortete vor einigen Jahren sogar persönlich auf die Nachfrage eines Uhrenfans an das Sigmund Jähn-Museum (die Deutsche Raumfahrtausstellung der Morgenröthe-Rautenkranz e.V. im Geburtsort Jähns) bezüglich der Uhr, die er während seines Weltraumausflugs getragen hatte:

„Während des Startes trug ich meine „normale“ Armbanduhr. Zu meinem Gepäck gehörten allerdings vier Armbanduhren, die als spezielles Souvenir im Ruhlaer Uhrenwerk gefertigt worden waren. Es war vorgesehen, dass ich jedem der drei russischen Kosmonauten (die vierte war für mich) eine Uhr an Bord der Raumstation SALUT-6 überreichen sollte. Das ist auch so geschehen. Wieviele dieser Uhren hergestellt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Sie wurden jedenfalls auch nach dem Raumflug als Souvenir vergeben. Ich gehe davon aus, dass zu einem vorhandenen Werk nur das Zifferblatt neu gestaltet wurde.“

Seine „Ruhla-Uhr“ bewahrte Jähn bis zu seinem Tod als Andenken an seinen ersten und einzigen Ausflug ins Weltall auf.

Nach der Wiedervereinigung wurde der gebürtige Sachse zwar aus der Armee entlassen, sein Wissen über die russische Raumfahrt war aber weiter gefragt, weshalb er später zum Beispiel für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die europäische Raumfahrtagentur (ESA) arbeitete. Auch als Buchautor war Jähn aktiv.

Er verstarb am Samstag, dem 21.09.2019 im Alter von 82 Jahren. Der Kosmonaut war in der DDR ein Volksheld und genoss große Popularität. Trotz seines Ruhmes blieb er immer bescheiden und wurde deshalb besonders verehrt. Dietmar Bartsch schrieb bei Twitter: „Ein wirklicher Held und doch ein so bescheidener Mensch.“ Und genauso wird er in die Geschichtsbücher eingehen.

Quelle: https://chrononautix.com


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