Wetterrückblick im Sinne Otfried Blumensteins

Vielleicht haben einige Leser der Ruhlaer Zeitung schon den Witterungsrückblick vermisst. Unser im Dezember 2018 verstorbener Ehrenbürger Otfried Blumenstein hatte diesen bis zuletzt ja immer monatlich verfasst. Nach seinem Tod bekam ich mehrfach die Frage gestellt, wer dies in Zukunft macht.

Nun ist es mir eine große Freude, dass sich Gert Götze aus Ruhla dafür bereiterklärt hat. Der 69-jährige pensionierte Förster wohnt seit 20 Jahren in Ruhla und hat seitdem das Wetter zu seinem Hobby gemacht und dabei auch Otfried Blumensteins Arbeit schätzen und kennengelernt. Schon in der Forstlehre 1966 bekam Gert Götze Interesse an der Meteorologie, der Lehre der physikalischen und chemischen Vorgänge in der Atmosphäre. Das Wetter hat ihn seit seiner Zeit als Forstfacharbeiter und Waldarbeiter im Holzeinschlag, später als Ingenieur-Ökonom der Forstwirtschaft und Arbeitsschutzinspektor im Forstbetrieb Eisenach sowie nach der Wende als kurzzeitiger Revierförster in der Revierförsterei Thal immer wieder bei seiner Arbeit begleitet. Wetter und Klima haben immer wichtige Einflüsse auf den Wald und die Forstwirtschaft, aber auch allgemein auf den Mensch und die Natur. Das wird nicht erst nach einem solch heißen und trockenen Sommer wie 2018 deutlich.

Gert Götze möchte nun, wie er selbst sagt: „die monatlichen Wetterrückblicke in Otfried Blumensteins Interesse weiterführen und das Wetter sowie seine Ereignisse allgemeinverständlich erklären.“ Dabei kann er auch auf Unterstützung des „Wetterfrosches von Eisenach“ Eberhard Dachsel bauen. Bei einem gemeinsamen Termin vor einigen Tagen bei mir im Büro durfte ich beide mit ihrer Leidenschaft fürs Wetter kennenlernen. Und so wünsche ich Gert Götze viel Freude bei der Auswertung der Daten aus unserer Wetterstation „Otfried Blumenstein“, und allen Bürgern natürlich immer das Wetter, das sie sich wünschen.

Eine gute Woche wünscht Dr. Gerald Slotosch

Witterungsrückblick Dezember 2018

Ein dunkler Monat – auch Christmonat oder Heiligenmond genannt – mit gerade mal 15 Sonnenstunden und viel Regen.

Mit einer Gesamtregenmenge von über 90 l/m², verteilt auf 23 Regentage, wurde ein kleiner Ausgleich für den viel zu trockenen Sommer und Herbst vom Wetterfrosch geleistet. Die erste Regenperiode des Monats, 12 Regentage am Stück, brachte uns tiefer Luftdruck, der sich von Island über Frankreich bis Süditalien erstreckte. Durch diese Großwetterlage litt auch unsere Region unter starker Bewölkung, Regen und frischem bis stürmischen Winden aus Südwest. Unter Regenperioden verstehen wir eine Abfolge von Tagen mit Niederschlägen von über 1 l/m². Diese Wetterkonstellation bewirkte, dass sich die Tageshöchsttemperaturen zwischen 3 und 8 °C bewegten. Des Nachts sank die Tiefsttemperatur nur zwei Mal knapp unter den Gefrierpunkt.

Die von uns so geliebte Sonne zeigte sich im betrachteten Zeitraum, erstes Monatsdrittel, nicht über unserer Bergstadt. Mit nur 15,6 Sonnenstunden müssen wir den Dezember des vergangenen Jahres als relativ dunkel einschätzen. Zumal wir auch bedenken müssen, dass der Dezember durch seine ohnehin schon kurze Tageslänge von uns zu den dunklen Monaten des Jahres zu rechnen ist. Die Tageslänge betrug zur Wintersonnenwende am 21.12. für Ruhla 7 Stunden und 55 Minuten.

Das zweite Drittel des Monats unterschied sich in seinem Erscheinungsbild nur wenig vom Monatsbeginn. Dichte Wolken zeigten sich, es war neblig trüb, denn noch lenkte ein gebildetes Hochdruckgebiet über Skandinavien feuchte Luft nach Mitteleuropa. Vom 12. bis 17. wurde es spürbar kälter, mit Temperaturen auch tagsüber leicht unter dem Gefrierpunkt. In den Nachtstunden wurden, man höre und staune, schon mal -14 °C erreicht. Am 16. überraschten uns leichte Schneefälle von etwa 2 cm, welche kurzzeitig zu einer geschlossenen Schneedecke führten.

Ab dem 17. des Adventsmonats kam es wiederrum zu einer Regenperiode, die ganze 8 Tage anhielt. Die Temperaturen stiegen mit Beginn der Regenperiode auch in den Nachtstunden wieder über den Gefrierpunkt. Somit fing auch das letzte Drittel des Dezembers so an, wie sich der bisher betrachtete Zeitraum darstellte. Immer wieder regnete es, dichte Wolkenfelder zogen über das Rühler Land. Die Tageshöchsttemperaturen bewegten sich zwischen 3 und 8 °C. Diese Temperaturen zerstörten all unsere Hoffnungen und Wünsche auf ein weißes Weihnachtsfest. Einziger Trost in dieser Angelegenheit ist diese statistische Tatsache: weiße Weihnacht gibt es bei unseren Wetterbedingungen und Höhenlage nur alle 7 bis 8 Jahre. Die Sonne zeigte sich gegen Ende des Monats relativ wenig, aber sie zeigte sich wenigstens. So sind wir in der Lage, die eingangs erwähnten 15,6 Sonnenstunden zu verbuchen.

Der Monat endete wie er begann, mit einer Regenperiode, diesmal von 3 Tagen. Übrigens, auch für den Regen am Jahresende gibt es Trostpflästerchen. Kluge Mathematiker haben errechnet, dass der 29. Dezember statistisch gesehen der Tag mit der höchsten Niederschlagswahrscheinlichkeit im gesamten Jahr war. Der Silvestertag begrüßte uns, wie nicht anders zu erwarten war, mit einer dichten Wolkendecke, aus der es auch regnete, der Wind spielte kaum noch eine Rolle. Über dem Bergstädtchen konnte so ohne große Gefahren das neue Jahr mit einem zünftigen Feuerwerk begrüßt werden. Bleibt nun zu hoffen, dass das Feuerwerk die bösen Wettergeister für das Jahr 2019 gründlich vertrieben hat.

Bauernregel des Monats: Dezember dunkel, nicht sonnig und klar, verheißt ein gutes fruchtbares Jahr, ein nasser macht es unfruchtbar.

Gert Götze

 

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