Wie sich Kinder zur Wehr setzen können

Selbstverteidigungskurs im Ferienprogramm des Jugendclubs Ruhla

Nico Fischer trägt den schwarzen Gürtel im Judo und in realistischer Selbstverteidigung. Den Kindern zeigt er erste Handgriffe aus dem Bereich.

 

Während der Osterferien haben sich die Leiterin des Ruhlaer Jugendclub „Freetime“ Silvia Gürtler und Praktikantin Louisa (20) ein buntes Programm für die Kinder und Jugendlichen einfallen lassen. Neben Basteln, Backen und viel Spielen im Freien, weckte auch der angebotene Selbstverteidigungskurs das Interesse der insgesamt 35 Ferienkinder. 

„Zerreißt diesen Teddybären“, forderte Nico Fischer (32) zwei Jungs auf, die beim Ferienprogramm im Jugendclub „Freetime“ teilgenommen hatten. Fischer ist Vereinsvorsitzender vom „JSV13 Erbstromtal e.V.“ und erklärte seinem jungen Publikum im Theorieteil alles Wissenswerte zum Thema „Mobbing“. Derweil alle gespannt zuhörten, wurde der Teddybär in seine Einzelteile zerlegt. Dafür brauchten die beiden Jugendlichen nicht mehr als 2 Minuten, die Fischer mit der Stoppuhr maß. Fischer bat die beiden im Anschluss darum, das Kuscheltier mit Nadel und Faden wieder zusammenzuflicken. Neben viel Fingerspitzengefühl bedurfte es dafür über eine Stunde Zeit. Mit dieser Lektion demonstriert Nico Fischer den Kindern eindrucksvoll, wie schnell Zerstörung funktioniert und wie lange ein Heilungsprozess andauern kann. „Manchmal sind die Wunden aber nicht heilbar“, erklärt der Kampfsportler den aufmerksamen Kindern. Ob physisch oder psychisch – Mobbing ist eine Art der Gewalt, mit der sich Kinder immer häufiger im digitalen Zeitalter, auf dem Schulhof und im Alltag auseinandersetzen müssen. Deshalb hat Jugendclubleiterin Silvia Gürtler Selbstverteidigung zum Thema gemacht und mit einem theoretischen Teil und einer praktischen Übung in der Sporthalle Thal in das Ferienprogramm aufgenommen. 

„Ein vielfältiges Sportangebot finde ich wichtig für Heranwachsende, aber es kommt in unserer Gesellschaft heute zu kurz“, erklärt Gürtler. Nico Fischer stimmt dem zu und ergänzt: „Gerade mit Sport lässt sich das Selbstbewusstsein und die Sicherheit der Kinder fördern und ausbilden. Genau das sind wichtige Werte, die Kinder stark gegen Gewalt machen.“ 

Aktive Mitglieder in Sportvereinen sind ausgeglichener, sie erleben Spaß mit Freunden, halten Körper und Geist fit und lernen, sich im Team zurechtzufinden. Beim praktischen Teil des Selbstverteidigungskurses genießen die Ferienkinder sichtlich das Toben in der Sporthalle. „Anzuwenden sind die Griffe und Abwehrmethoden aber nur, wenn Leib und Leben in Gefahr sind. Dann darf man sich körperlich zur Wehr setzen“, mahnt Fischer, der den schwarzen Gürtel in Judo und realistischer Selbstverteidigung trägt.  Kann man sich einer brenzlichen Situation nicht mit selbstbewussten Worten oder anderen deeskalierenden Strategien entziehen, kommt die körperliche Selbstverteidigung zum Einsatz. Typische Schulhof- und Alltagssituationen stehen auf dem Programm der praktischen Lektion. „Wie man Schläge abwehrt oder sich aus dem Schwitzkasten befreit, ist einfach zu erklären und anzuwenden. Auch ungefährliche Nervendruckpunkte zu kennen, kann in bedrohlichen Situationen sehr nützlich sein und gibt körperlich Unterlegenen einen Vorteil“, zählt Fischer auf. Mit 6 Jahren können Kinder anfangen, Judo zu trainieren. Mit dem Selbstverteidigungskurs könnte man mit 7 oder 8 Jahren beginnen. „In der 5. oder 6. Klasse sollten die Kinder gewappnet sein“, meint Fischer. 

Dienstag- und Donnerstagnachmittag findet sein Training für Anfänger in der Sporthalle Thal statt, an dem Jungen und erfreulich viele Mädchen im Alter zwischen 5 und 15 Jahren teilnehmen. „Wir freuen uns über jeden, der sich entscheidet, mit dem Training zu beginnen“, lädt Nico Fischer Interessierte ein. Mit dem Selbstverteidigungskurs endete das Ferienprogramm im JC „Freetime“. 

Silvia Gürtler freut sich dabei nicht nur über ihre tatkräftige Unterstützung durch Praktikantin Louisa, die im Jugendclub Erfahrungen für ihre Ausbildung als Erzieherin sammelt. Künftig ziert der Jugendclub auch eine Urkunde, die Gürtler und ihren jungen Schützlingen Selbstbewusstsein und Stärke bescheinigt. Daneben sitzt der liebevoll zusammengeflickte Teddy, der die Kinder stets daran erinnert, wie lange Wunden brauchen, um zu heilen.

 Text & Foto: skr

 

Stolz auf das Zertifikat: Miriam und Sunny (beide 8) wissen nun, wie sie sich in bedrohlichen Situationen zur Wehr setzen können.

 

Wie man Schläge abwehrt und sich aus dem Schwitzkasten befreit, zeigte Nico Fischer den Kindern.

 

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